Schlaglicht: Integrationspolitik in Stadt und Land – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Blogbeitrag Titelbild

Es gibt viele Studien zur kommunalen Integrationspolitik. Nicht zuletzt die Fluchtzuwanderung der Jahre 2015/2016 hat auch insoweit als Katalysator gewirkt. Nur wenige dieser Studien gehen aber so in die Tiefe wie der Text von Hannes Schammann, Petra Brendel und ihren Kolleginnen und Kollegen und nur wenige gelangen zu so konkreten, praktisch unmittelbar verwertbaren Ergebnissen und Handlungsempfehlungen wie die vorliegende Untersuchung zur Integrationspolitik in Stadt und Land, die damit auch eine gute Grundlage für die weitere Arbeit in Programm Land.Zuhause.Zukunft bietet.

Kommunale Integrationspolitik findet in mehr als zwei Welten statt

Eine dieser Erkenntnisse lautet: Ob Integrationspolitik gelingt, hängt nicht vorrangig von der Raumkategorie, sondern vor allem von den konkreten Rahmenbedingungen und dem konkreten Engagement vor Ort ab. Tatsächlich räumt die Studie endgültig mit dem immer noch verbreiteten Vorurteil auf, dass nur die größeren Städte als Akteure kommunaler Integrationspolitik gefordert sind. Richtig ist stattdessen: Integration findet ebenso in ländlichen Räumen statt, und zwar nicht erst, seit es eine Wohnsitzauflage gibt. Und das bedeutet, dass viele der von den Autoren als für eine gelingende Integrationspolitik erfolgskritisch identifizierte Bedingungen auch in den Kommunen der ländlichen Räume erfüllt sein müssen. Das gilt für die Ausgestaltung des kommunalen Integrationsmanagements (in möglichst anpassungsfähigen, aber auch stabilen Strukturen) ebenso wie etwa für die Forderung nach einer nachhaltigen Finanzierung kommunaler Integrationspolitik. Ob dies allerdings gleich bedeuten muss, dass Integration als kommunale Pflichtaufgabe ausgestaltet werden soll, wird man mit einem Fragezeichen versehen dürfen.

Integration in ländlichen Räumen

Natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen städtischer und ländlicher Integrationspolitik. Das liegt zum Teil an anderen Herausforderungen, denen freilich auch wieder besondere Chancen gegenüberstehen. So spielen in ländlichen Kontexten räumliche Entfernungen und damit die Frage, wie Mobilität gesichert werden kann, eine ganz andere Rolle als in Ballungsgebieten. Andererseits stehen bspw. funktionierende Nachbarschaften oder eine häufig bessere Wohnraumsituation für besondere Integrationspotenziale der ländlichen Räume. Typisch für die kommunale Ebene im ländlichen Raum ist die Doppelstruktur aus Landkreis und kreisangehörigen Kommunen. Soweit es nicht um die Wahrnehmung integrativer Aufgaben geht, die schon kraft Gesetzes entweder den Gemeinden oder dem Landkreis zu gewiesen sind, ist es wichtig, dass sich Landkreise und Gemeinden im Interesse gelingender Integration und im Sinne eines vertrauensvollen partnerschaftlichen Zusammenwirkens darüber verständigen, wem welche Rolle zukommt. Dazu enthält die Studie wichtige weiterführende Hinweise, wobei insbesondere klar wird, dass die Landkreise eine zentrale Stabilisierungsfunktion übernehmen und sie kraft ihrer höheren Verwaltungskraft das Vorhandensein bestimmter Grundstrukturen zur Integration von Migranten sicherstellen sollten. Es entspricht der Ausgleichs- und Ergänzungsfunktion der Landkreise, insbesondere kleinere Gemeinden bei ihren Integrationsbemühungen vor Ort konzeptionell und/oder durch die Bereitstellung von Ressourcen zu unterstützen. Insoweit ist es richtig, wenn die Robert Bosch Stiftung im Rahmen ihres Programms Land.Zuhause.Zukunft vor allem auch die Landkreise in den Blick nimmt.

Dr. Klaus Ritgen